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Viel Unklarheit herrscht weiterhin im Fall Alno.
10.01.2018 19:01 Uhr

Alno AG Verdacht auf Insolvenzverschleppung

Im Rahmen der gestrigen Gläubigerversammlung hat Insolvenzverwalter Prof. Dr. Martin Hörmann weitere Einblicke in die rechtliche Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der Alno-Insolvenz gegeben. Demnach liegt Hörmann inzwischen ein Gutachten vor, nach dem Alno spätestens Ende 2016 insolvenzreif war. Im Rahmen besteht der Verdacht auf Insolvenzverschleppung, die wiederum Schadenersatzansprüche nach sich ziehen. Darüber hinaus stehen Ansprüche gegenüber Bauknecht und weitere Geschäftspartnern im Raum bzw. dass Whirlpool die Kreditwürdigkeit nicht hinreichend geprüft habe und somit eigene Forderungen nicht durchsetzen kann. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Manager, Lieferanten und Kapitalgeber sich möglicherweise auf Kosten des Konzerns und der übrigen Gläubiger bereichert haben könnten. „Es gab ungewöhnliche Sondervergütungen an Manager, Lieferanten haben möglicherweise zu hohe Preise verlangt, Forderungen wurden weiterverkauft, und kurz vor Schluss sollen sich einige offenbar noch Summen gesichert haben, die eigentlich gar nicht mehr da waren“, berichtet beispielsweise das „Handelsblatt“. Dagegen stehen unrealistische Umsatzprognosen. Ex-Konzernchef Max Müller hatte Vorwürfe gegen seine Person bereits bestritten.

Summa summarum könne der Insolvenzverwalter etwa 25 Mio. Euro von verantwortlichen Managern, Lieferanten und anderen Gläubigern zurückholen, so heißt es im „Handelsblatt“. Dem stehen allein Anleihen im Volumen von 64 Mio. Euro gegenüber. Ein dreistelliger Millionenbetrag an Forderungen von Kreditgebern, Lieferanten und Investoren kommt noch dazu.

Auf Anfrage von moebelkultur.de erhielt die Redaktion von der Kanzlei Anchor folgende ergänzende Antwort:

"Bei der gestrigen Gläubigerversammlung hat Prof. Dr. Martin Hörmann die Gläubiger über den Stand des Inslolvenzverfahrens, aber auch über die bisherigen Ergebnisse der Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Andersch informiert.
Die Wirtschaftsprüfer kommen in ihrem Gutachten zu folgendem vorläufigen Ergebnis. Demnach ist voraussichtlich die Insolvenzreife bereits deutlich vor dem Insolvenzantrag im Juli 2017 eingetreten. Einzelne Gesellschaften sind nach den vorläufigen Erkenntnissen wahrscheinlich bereits seit 2013 zahlungsunfähig, unter Berücksichtigung der „Bugwellentheorie“ allerdings wohl erst seit Ende 2016. Im Endeffekt heißt das, dass der Insolvenzantrag vermutlich zu spät gestellt worden ist.
 
Insgesamt ist das Verfahren um die Alno-Gesellschaften höchst komplex und schwierig. Die strafrechtliche Dimension im Falle einer Insolvenzverschleppung ist ausdrücklich Sache der Staatsanwaltschaft. Die spezialisierte Wirtschaftsstaatsanwaltschaft in Stuttgart hat hierzu Dokumente von dem Insolvenzverwalter angefordert und diese von ihm erhalten.
 Ob möglicherweise eine Insolvenzverschleppung vorliegt ist, wie bereits erwähnt, grundsätzlich eine Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Dem Insolvenzteam und dem Insolvenzverwalter geht es hingegen um die zivilrechtlichen Ansprüche der Gläubiger.
Denn der Insolvenzverwalter hat als neutrale Person ausschließlich die Gläubigerinteressen zu wahren. Dem Insolvenzverwalter geht es darum aufzuklären, welche Geschäftsvorfälle aus der Vergangenheit möglicherweise nachteilhaft für die Insolvenzgläubiger sind. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Frage, zu welchem Zeitpunkt das Unternehmen tatsächlich insolvenzreif, also zahlungsunfähig und/oder überschuldet war.
Aus dem in der Öffentlichkeit angekündigten Rechtstreit um Schadensersatz zwischen Tahoe und den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Max Müller und Ipek Demirtas hält sich der Insolvenzverwalter definitiv raus."

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